In meinem heutigen August-Blogbeitrag widme ich mich wieder einer Disziplin und bemühe mich um einen maximal 3-minütigen Einstieg in die Politik:
Was finde ich an Politik so interessant?
Das Interesse an Politik war bei mir im Vergleich zu Mitschülern in meiner Jugend nicht sehr ausgeprägt. Einen funktionierenden Staat habe ich als „gegeben“ vorausgesetzt. Meine Familie und mein direktes Umfeld waren sozial, aber – bis auf die Wahlgänge – nicht politisch engagiert.
Dies änderte sich mit der Zeit. Zum einen interessiert mich zunehmend,
wie politische Meinungsbildung (und deren Umsetzung) funktioniert:
Wie lässt sich gelingendes Miteinander / Zusammenarbeit organisieren?
Wie lassen sich Sicherheit, Gesundheit, Bildung, Infrastruktur, Ressourcenverteilung („Gemeingüter“) am besten organisieren?
Was eine resiliente Gesellschaft auszeichnet und
wo das Optimum zwischen Föderalismus (mit seinem Verständnis der lokalen Erfahrungen) und Zentralisierung (mit ihrer Vereinheitlichung der Vorschriften) liegt.
Zum anderen macht es mich betroffen, zu sehen, wie andere Gesellschaften dabei sind auseinanderzufallen. Ich möchte daher gerne zum Zusammenhalt der eigenen Gesellschaft beitragen.
Was sind für mich wichtige Grunderkenntnisse der Politik?
Aufgabe der Politik ist es, kollektiv bindende Entscheidungen herbeizuführen. Da sich die Rahmenbedingungen mit der Zeit verändern, ist dies ein kontinuierlicher Prozess. Rechte und Pflichten des Einzelnen müssen – zum Vorteil aller – immer wieder aufs Neue ausbalanciert werden.
Gewaltenteilung („Checks and Balances“) ist wichtig für den Erhalt der Demokratie.
Die Menschen sehnen sich nach Einfachheit, die politische Wirklichkeit ist meist komplizierter.
Gut in Erinnerung sind mir in diesem Zusammenhang auch die Worte von Anette Schavan, der früheren Bundessministerin für Bildung und Forschung, bei einem Vortrag der Wirtschaftsgilde in Sils Maria 2022:
„Politik heißt nicht mit dem Kopf durch die Wand.“
„Solidarität und Barmherzigkeit sind wichtige Komponenten der Politik.“
Was fange ich damit an?
Die Politik entwickelt und erlässt die wichtigsten Rahmenbedingungen. Aufgrund der Vielzahl der individuellen Interessen und der sich daraus ergebenen Kompromisse können es nur Rahmenbedingungen sein, die uns individuellen Handlungsspielraum lassen.
Von daher von seinen Werten „überzeugt“ leben und dazu beitragen ein Umfeld zum Wohlfühlen zu ermöglichen, Gemeinwohl zu fördern und die Natur zu bewahren („Wir haben keinen Planet B“).
Die Verantwortung für eine funktionierende Demokratie nicht „delegieren“ und wählen gehen (und sich gerne darüber hinaus auch aktiv politisch engagieren, Möglichkeiten gibt es viele).
Denkanstöße für Kinder
Mit meinem sechsjährigen Sohn kann ich schon gut über Verteilungsfragen („jeder sollte ein Dach über dem Kopf haben“) und Regeleinhaltung („Papa Du fährst zu schnell…“) sprechen.
Ich habe in meiner Heimatstadt Weinheim erfolgreich für das Amt des ersten Bürgermeisters kandidiert. Bei der Wahl des Stadtrats zwischen den drei Finalisten war mein Sohn anwesend und ich konnte ihm dabei erklären, wie politische Entscheidungen getroffen werden und dass eine Amtszeit zeitlich begrenzt ist.
Ich bin gespannt auf die tägliche Diskussion mit ihm über den politischen Alltag, wenn ich im Oktober das Amt antrete😉
Ich selbst bin ein Fan des Wahl-O-Mats, um bei Bundes- und Landtagswahlen herauszufinden welche Partei meine Interessen am besten vertritt und habe dankbar bei u18.org festgestellt, dass es auch erste Ansätze dazu für Kinder- und Jugendliche gibt.
Ihre Präsenz, wirtschaftliches Handeln prägt uns: „Heute ist fast jeder Aspekt unseres Alltags auf irgendeine Art und Weise durch eine Wirtschaftsbeziehung miteinander verknüpft.“1
Ihre Zielstellung: Wirtschaften ist kein Selbstzweck, sondern soll uns dienen: Das Ziel des Wirtschaftens war lange Zeit Knappheit an bestimmten Gütern (Nahrung, Wohnraum, Kleidung, Dienstleistungen…) zu beseitigen. Es geht darum die vorhandenen Ressourcen (Kapital, Arbeit, Material) möglichst effizient einzusetzen, um damit ein Maximum an Gütern zu produzieren.2 Zumindest bei uns in Deutschland herrscht bei vielen Gütern keine Knappheit mehr, viele (nicht alle) empfinden eher ein Überfluss an Angeboten.
Last but not least interessieren mich ihre Mechanismen: Wer bestimmt die Regeln im Wirtschafts-/Finanzsystem? Müssen die Regeln von Zeit zu Zeit angepasst werden?
Was sind für mich wichtige Erkenntnisse?
Zur effizienten Bedürfnisbefriedigung der Bevölkerung mit Gütern bedient sich die Wirtschaft bestimmter „Werkzeuge“ (Währungen, Märkte, …), Methoden (Arbeitsteilung & Spezialisierung, …) sowie Organisationsformen (produzierende Unternehmen, Servicedienstleister, …).
Wohlstand der westlichen Marktwirtschaften beruht auf Wettbewerb. In der Marktwirtschaft fällt Unternehmen die Aufgabe zu, die Gesellschaft mit guten, preiswerten, innovativen Gütern und Dienstleistungen zu versorgen. 3
Markt und Wettbewerb, Privateigentum und Gewinnstreben finden ihre ethische Rechtfertigung allein in den wohltätigen Systemwirkungen, die von ihnen auf alle Menschen ausgehen. Sie sind – unter der Voraussetzung einer geeigneten Rahmenordnung – die effizientesten Mittel zur Realisierung der Freiheit und der Solidarität aller Menschen, die bisher bekannt sind. 4
Um die negativen Folgen für die Gesellschaft aus einer zu großen Ungleichheit (Stichwort „Verteilungsblindheit“) zu vermeiden, den Ressourcenverbrauch beim Wirtschaften zu berücksichtigen (Stichwort „Zukunftsblindheit“) und die Bereitstellung kollektiver Güter (öffentliche Infrastruktur, Sicherheit, …) sicherzustellen, muss die Rahmenordnung der Marktwirtschaft dabei zwingend soziale und ökologische Komponenten enthalten.5
Was fange ich damit an?
Zum einen, dass ich mir immer wieder klar mache, dass Fortschritt und Lebensqualität nicht allein abhängig vom jährlichen Zuwachs des Pro-Kopf-Einkommens sind.6 Zum anderen, dass es entscheidend auf die Rahmenordnung ankommt, mögliche Nachteile des Wirtschaftens zu reduzieren. „Eines ist klar: Wachstum, ohne das Umweltproblem zu lösen, wird im Kollaps enden. Wachstum, ohne die Verteilungsfrage auf diesem Planeten zu lösen, trägt in sich die besondere Gefahr der Radikalisierung.“7
Die Rahmenordnung ist nicht in Stein gemeißelt. Ich kann mein Wissen über die Zusammenhänge bei meinen Kauf-, Geldanlage- und Wahlentscheidungen berücksichtigen. Und ich kann mich politisch engagieren, um mich für entsprechende Wachstumsmodelle einzusetzen, die nicht auf Ressourcenverschwendung, sondern auf Fairness gegenüber der Natur und den Mitmenschen beruhen.
Denkanstöße für Kinder
Volkswirtschaftliche Zusammenhänge sind noch etwas zu komplex für einen Sechsjährigen. Ich versuche daher meinem Sohn zunächst zu vermitteln, dass natürliche Güter wie Wasser, produzierte Güter wie Kleidung und Dienstleistungen wie Urlaub Geld kosten und dass seine Eltern dafür arbeiten müssen. Dass man Güter auch gebraucht kaufen kann und auch die Natur einen Wert hat.
Dieser Blog ist kein Erziehungsratgeber. Jede Familie wird es etwas anders handhaben. Ich kann an dieser Stelle nur etwas von den eigenen Beobachtungen berichten. Wir haben unserem Sohn schon relativ früh Taschengeld gegeben. Mit Fünf hat er es genossen, die Verfügungsgewalt über sein Geld zu haben und blieb im Supermarkt jedes Mal an der Spielwarenecke stehen, um sich für kleines Geld etwas zu kaufen, all die Apelle doch auf etwas größeres zu sparen waren vergebens. Jedoch war er schon mit fünf Jahren fasziniert von der Möglichkeit sich selbst etwas hinzuzuverdienen (Schneeschippen bei den Nachbarn) obwohl wir es nicht aktiv gefördert haben. Mit sechs Jahren gelingt es ihm nun auch Geld zu sparen.
Was ich zunehmend versuche, ihm zu vermitteln, dass es zur Befriedigung unserer Bedürfnisse keine unaufhaltsam wachsenden Gütermengen braucht.8 Mir gefällt der Ansatz, dass die Erzieherinnen im Kindergarten den Kindern immer nur eine begrenzte Anzahl an Spielsachen der Gruppe bereitstellen und dass die Kinder wöchentlich entscheiden, welches Spielzeug in den Keller soll und dann dafür neues aus dem Keller geholt werden darf.
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Nach einem Einstieg in die Psychologie und Soziologie, hoffe ich, dass auch dieser Blogbeitrag „Was finde ich an Wirtschaft so interessant?“ Dein Interesse geweckt hat! Für vertiefender Literatur kann ich die Werke der zitierten Autoren empfehlen:
Nachdem ich im vergangenen Monat mit der Psychologie die erste Disziplin/Fachrichtung beleuchtet habe, geht es heute um den Einstieg in die Soziologie. In der Soziologie steht nicht das Individuum im Mittelpunkt, sondern die Gruppe.
Was finde ich an Soziologie so interessant?
Mich interessiert, wie menschliches Zusammenleben funktioniert. Und wann es besonders gut funktioniert.
Mich faszinieren Länder und Regionen, die in der individuellen Zufriedenheitsskala ganz vorne stehen und deren Bewohner besonders stark empfinden, ein gutes Miteinander zu leben.
Genauso Vereine, Unternehmen und Organisationen in denen Menschen besonders zufrieden wirken. Meist spürt man schon direkt in den ersten Minuten beim Besuch eines Restaurants oder Ladengeschäfts, ob die Menschen hier gerne arbeiten, und das strahlt auf die Besucher und Kunden ab.
Auch finde ich die Unterschiede zwischen Generationen spannend, wie sie von kollektiven Erfahrungen geprägt wurden.
Was sind für mich wichtige Grunderkenntnisse der Soziologie?
Menschen sind kooperationsfähig. Gemeinsam ist man stärker und kann seine (individuellen) Bedürfnisse meist besser befriedigen. Entsprechend ausgeprägt ist die menschliche Zusammenarbeit (Kooperation), denken wir beispielsweise an unseren arbeitsteiligen Alltag.
Kooperation funktioniert dann besonders gut, wenn alle Beteiligten von ihr profitieren. Erfolgreiche Kooperation basiert auf guten Institutionen. Im engeren Sinne sind damit Grundregeln 1 und -normen wie Menschenrechte, Sprache, Währungsmittel, … gemeint. 2 Daraus abgeleitete Institutionen sind z.B. Gesetze und Verträge.
Kultur ist eine Gruppeneigenschaft (kein individuelles Phänomen), die sich aus gemeinsamen Erfahrungen entwickelt (Teams, Familie, Regionen…) und ist damit das Produkt sozialen Lernens. 3
Demnach lassen sich Gruppen anhand ihrer Organisationsform und Kultur unterscheiden.
Was fange ich damit an?
Im Blogeintrag „Psychologie“ bin ich auf das Verhaltensmodel eingegangen. Eine der vier Dimensionen, die das individuelle Verhalten mitbestimmt ist, das soziale Dürfen/Sollen (Normen und Regelungen). Die Soziologie erklärt anhand der Institutionen und der Kultur wie diese vierte Dimension entsteht bzw. worauf sie basiert, nämlich auf kollektive Werten/Erfahrungen.
Unser Wohlergehen hängt in gewissem Maß von unseren Mitmenschen ab und den Kulturen, in denen wir uns befinden. Der Plural ist von mir bewusst gewählt, Individuen sind aufgrund der Zugehörigkeit zu verschiedenen Gemeinschaften – die Soziologen sagen „sozialen Systemen“ (Familien, Regionen und Organisationen wie Vereine, Unternehmen Parteien etc.) multikulturell.
Wenn ich mir der Bedeutung von Institutionen und Kulturen bewusst bin kann ich mich gezielt für den Erhalt oder Veränderung dieser einsetzen. Wobei ich mir bewusst sein muss, dass kollektive Veränderungen Zeit benötigen und Change-Management Knowhow oftmals hilfreich ist.
Und ich kann den Fehler vermeiden, dem Gruppendenken zu verfallen.
Denkanstöße für Kinder
Einige in diesem Blog dargelegten Bausteine sind für meinen Sohn noch zu abstrakt. Dennoch kann ich bereits mit Fünf- und Sechsjährigen über kulturelle Themen sprechen, sogar diskutieren, denn sie nehmen unterschiedliche familiäre Erziehungsstile war. Unser Sohn bekommt beispielsweise vor dem zu Bett gehen (aber vor dem Zähneputzen) noch ein „Gutenachtgutzel“, z.B. ein Fruchtgummi. Einer seiner Freunde bekommt dies nicht und diskutiert beherzt mit mir, dass ich meinem Sohn kein „Gutenachtgutzel“ mehr geben soll😉 Dank solcher Situationen stellt man selbst fest, welcher Muster man ggf. „automatisiert“ von seinen Eltern übernommen hat. Entsprechend kann man beginnen, gemeinsam Regeln festzulegen.
Ich hoffe der Einstieg in die Soziologie hat Dir gefallen, freue Dich auf weitere Disziplinen in dieser Serie!
1Die Regeln wiederum basieren (meist) auf Werten, vgl. Blogbeitrag „Was sind Werte“ und „Wertbeispiele“.
2 vgl. Picot, Dietl et. al. (2008). Organisation – Eine ökonomische Perspektive. Stuttgart; Schäffer-Poeschel S. 10ff.
3 Vgl. (Schein 2010), S. 29 und (Kutschker and Schmid 2006), S. 668
Nachdem ich bislang in meinem Blog zu verschiedenen Themen Denkanstöße gegeben habe, möchte ich – wie unter Struktur angekündigt – hier auch zu einzelnen Disziplinen/Fachrichtungen ein paar Impulse zum Nachdenken geben/Gedanken teilen. Für 3 min Lesezeit kann das nur ein Appetitanreger sein und bei Interesse ist Selbststudium angesagt😉. In diesem Blogeintrag beginne ich mit dem Einstieg in die Psychologie.
Was finde ich an Psychologie so interessant?
Mich interessieren die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen uns Menschen. Und die Frage, warum sich Menschen in ein und derselben Situation völlig unterschiedlich Verhalten.
Mir ist noch gut in Erinnerung wie Mitschüler sich über ihre – in meinen Augen gute – Abiturnote gefreut haben und andere über exakt dieselbe Note keinerlei emotionale Regung gezeigt haben.
Genauso wie souverän und selbstbewusst manche Kommilitonen ihren geringen Lernaufwand verkauft haben und andere bei der Ergebnispräsentation völlig unsicher wirkten, obwohl sie durch hohen Lernaufwand jedes Detail kannten.
Was sind für mich wichtige Grunderkenntnisse der Psychologie?
Bei der Psychologie dreht sich alles um das menschliche Verhalten. Auf den Punkt gebracht kann man sagen, alle Menschen – vom Äquator bis zu den Polen – haben ähnliche Bedürfnisse und ein entsprechendes (gleichberechtigtes!) Interesse diese zu befriedigen (möglichst nicht auf Kosten anderer). Menschen sind ähnlich (Bedürfnisse) aber nicht gleich (wir haben Millionen von Facetten).
Gemeinsamkeiten: Alle Lebewesen haben ihre Bedürfnisbefriedigung/ Selbsterhaltung zum Ziel. Bezüglich der Bedürfnisse gibt es verschiedene Theorien. Eine der bekanntesten ist die Maslows Bedürfnispyramide:
Illustration der Bedürfnispyramide nach Maslow durch Huyen-Trang Ngo
Unterschiede: Nach Felix Schönbrodt unterscheiden wir uns hinsichtlich kognitiver Fähigkeiten (Denken, Wissen, Kommunikation, Erinnerung) und Persönlichkeit (Charaktereigenschaften, Motive, Interessen und Werte).
Verhalten: Nach Lutz von Rosenstil ist unser Verhalten abhängig von vier Kräften:
Bedingungen des Verhaltens 1
insbesondere der Einfluss der Situation wird häufig unterschätzt und diese wiederum ist abhängig von der persönlichen Wahrnehmung.
Was fange ich damit an?
Mit Blick auf die Bedürfnisse, bspw. dass ich mich systematisch um mein Wohlbefinden kümmern kann (siehe auch Blog-Beitrag „Was ist gelingendes Leben„). Mit Blick auf die Unterschiede, bspw. dass jeder Mensch Stärken hat und Pluralität wertvoll ist. Mit Blick auf das menschliche Verhalten, bspw. dass ich mir über den Kontext bewusstwerde (Sozialer Einfluss Umfeld und Gewissen etc.).
Denkanstöße für Kinder
Die in diesem Blog dargelegten Bausteine sind für jüngere Kinder sicher noch viel zu abstrakt, aber dennoch kann ich über solche Themen mit meinem Sohn sprechen, denn es gibt eine wunderbare Podcastreihe „Mira & das fliegende Haus“ die die menschlichen Bedürfnisse und das menschliche Verhalten für die Altersgruppe 4-11 kindgerecht erklärt und die nicht nur mein Sohn liebt.
Die Verarbeitungsgeschwindigkeit und Kreativität von Kindern sind genial. Kaum hatte mein Sohn die Folge „Wie kann ich mit Stress umgehen?“ gehört wurden meine Frau und ich in Situationen in denen wir auf ihn gestresst wirkten, mit Aussagen konfrontiert „Ist eure Stressampel auf gelb, wie können wir sie wieder in den grünen Bereich bekommen?“😉
Vertiefung
Da ich ein neugieriger Mensch, bin habe mir vor ein paar Jahren den Wälzer „Psychologie“ von David G. Myers, einem Einstiegslehrbuch für Psychologiestudenten gekauft, lese hin und wieder die Zeitschrift „Psychologie heute“ oder“ recherchiere dazu im Internet. Als Ingenieur strukturiere ich mir die mir relevanten Erkenntnisse mit Mindmaps, damit ich diese einfach und schnell wieder finde. Für verschiedene Disziplinen habe ich meine Erkenntnisse auch in Buchform verarbeitet, um interessierten Lesern auch jenseits umfangreicher Fachbücher / Recherchen einen schnellen Zugang zu ermöglichen. So geschehen für das entsprechende Kapitel „Was zeichnet einen Menschen aus. Einführung in die menschliche Psychologie“ meines Buchs „Konradin erklärt den Menschen“ die dahinterliegende Mindmap kann unter www.fabelosophie.de heruntergeladen werden.
Im nächsten Blogbeitrag möchte ich mich mit der Soziologie beschäftigen.
1 Rosenstiel von, L. (2003). Entwicklung und Training von Führungskräften, in Rosenstiel von, Regnet et. al., Führung von Mitarbeitern. Stuttgart, Schäffer-Poeschel: S. 79 (Illustration nachgezeichnet von Huyen-Trang Ngo)
Nachhaltigkeit bedeutet für mich so zu leben, dass mein Lebensstil weder meinem Sohn noch seinen Kindern schadet, ganz gleich auf welchem Kontinent und Ort sie leben werden und wie sein/ihr Einkommen einmal sein wird. Nachhaltigkeit ist daher für mich eng mit dem im Vormonat erläutertem Begriff der Verantwortung verknüpft.
Nachhaltigkeit ist keine neue Erfindung, sondern eine Wiederentdeckung, bewehrter Prinzipien seit Jahrtausenden.
Nachhaltigkeit ist einerseits komplex (wenn ich beispielsweise an die Lieferkette meiner Schreibtischlampe denke) und mehrdimensional (üblicherweise spricht man von den drei Perspektiven Ökologie, Ökonomie und Sozialem), andererseits ermöglicht dies zugleich viele Optionen nachhaltig zu handeln.
Tatsache ist, dass kumuliert unser Lebensstil in Deutschland nicht nachhaltig ist, da wir ressourcenmäßig aktuell 2,9 Erden verbrauchen. [i]
Ziele für nachhaltige Entwicklung
Die UN hat die Komplexität in 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung heruntergebrochen. Von der Bekämpfung der Armut bis zur Förderung von Frieden, Gerechtigkeit und starken Institutionen. Alle Ziele findest Du hier bspw. auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V.
Wie ich schon in meinem Januar-Blog zur globalen Balance geschrieben habe, bin ich fest davon überzeugt, dass wir das Gesicht der Welt in dieser Dekade verändern, wenn sich jeder bei drei Zielen miteinbringt, die seinen Stärken, entsprechen. Ich habe mir folgende drei Ziele prioritär vorgenommen:
Als Bauingenieur und Immobilienökonom ist mir beruflich das Ziel 11 „Nachhaltige Städte und Gemeinden“ eine Herzensangelegenheit und ich arbeite täglich an dessen Umsetzung. Schon jetzt kann ich meinem Sohn erklären, dass fußläufige Städte/Stadtteile und ausgebaute Radwege sinnvoll sind, da er gerne mit dem Fahrrad fährt.
Auch das Ziel 3 „Gesundheit und Wohlergehen“ ist mir sehr wichtig. Gegenüber meiner Familie, meinen Kolleginnen und Kollegen und auch mir selbst. Ich erkläre meinem Sohn, wo die Lebensmittel herkommen, fördere seine sportlichen Neigungen und bin hinsichtlich seines Wohlbefindens aufmerksam.
Das Ziel 15 „Leben an Land“ ist mir seit frühster Kindheit ein Begriff, wo wir als Pfadfinder regelmäßig Waldsäuberungsaktionen durchführten, es aber stets erschreckend und beeindruckend zugleich, wie viel Müll wir aus dem Wald holten. Ich erkläre meinem Sohn, dass die Ressourcen endlich sind, gehe mit ihm viel in die Natur und vermittele ihm, mit dieser achtsam umzugehen.
Ich versuche nach bestem Wissen und Gewissen auch die anderen Ziele zu verfolgen oder auch unabhängig dieser UN-Ziele entsprechend meiner eingangs dargelegten Definition zu leben.
Ich bin dankbar für diese Orientierung gleichwohl es ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess ist, denn natürlich gibt es viele Situationen, wo ich dieser Verantwortung noch nicht gerecht werde. Ich hüte mich vor Perfektionismuswahn und freue mich an den vielen kleinen Schritten, in die richtige Richtung und dass sich sehr viele Menschen global auf den Weg gemacht haben.
Zum gegenseitigen Mut machen und um den Dialog zu fördern, habe ich mir als kleines Zeichen einen entsprechenden Aufkleber auf den Briefkasten geklebt und ebenso als Hintergrund für mein LinkedIn-Profil gewählt😉
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[i] Siehe beispielsweise Tagessschaubericht zum aktuellen UN-Report: https://www.tagesschau.de/ausland/unicef-ressourcen-verbrauch-101.html#:~:text=In%20Deutschland%20ist%20der%20Ressourcenverbrauch,eine%20gesunde%20Umgebung%20zu%20bieten.
Heute möchte ich über Verantwortung schreiben. Ein Begriff „der in unserem Alltagsleben, aber auch im Recht, in der Ökonomie und in der Politik eine zentrale Rolle spielt“[1].
Wie lässt sich der Begriff einfach und strukturiert erschließen?
Beispielsweise, in dem man Fragen stellt: Wie lässt sich Verantwortung beschreiben und definieren? Was sind Voraussetzungen zu ihrer Wahrnehmung? Wer ist Träger der Verantwortung? Wofür trägt man Verantwortung? Gegenüber wem hat man sich dabei zu rechtfertigen? …
Ich bemühe mich um möglichst kurze Antworten basierend auf der Lektüre verschiedener Texte zum Thema Verantwortung im Rahmen meines PPW-Studiums (insbesondere von Nida-Rümelin, Hans Jonas und Schönherr-Mann) und meiner beruflichen Erfahrung:
Beschreibung/Begriffsdefinition: Ich übernehme bewusst Verantwortung, wenn ich für meine Handlungen Gründe anführen kann.
Voraussetzung: Rationalität, Freiheit und die Fähigkeit Gründe abzuwägen[2].
Träger: „autonomes“ Individuum => also Du und ich😉
Wofür: Für die Beziehungen zu seinen Mitmenschen und seiner Umwelt? Für die Erziehung seiner Kinder? Für globalen Frieden oder das Erreichen des 1,5 Grad Ziels? Für seine Ernährung, für seinen Konsum? Für die beruflichen Aufgaben? => Ganz allgemein lässt sich zwischen sachlichem und örtlichem Umfang der Verantwortung unterscheiden: Der sachliche Umfang schließt Handlungen, Überzeugungen und Einstellungen mit ein, der örtliche Umfang im weitesten Sinne das „Raumschiff Erde“[3]
Inhalt: Pflichten und Übernahme des latenten Risikos einer Pflichtverletzung und eines Verschuldens.
Gegenüber wem rechtfertigt man sich? Sich selbst, seiner Familie, seinen Mitmenschen, seiner Umwelt, seinem Glauben seinem Gewissen? => Hier gibt es eine Pluralität an Möglichkeiten.
Die wichtigste Frage lautet: Wie werde ich meiner Verantwortung gerecht und was sind geeignete Maßnahmen/Handlungsmaxime zur Zielerreichung? Doch zunächst noch weitere Fragen:
Wo spüre ich „am eigenen Leib“ Verantwortung?
Als Vater, wenn ich mir Gedanken mache, was passieren könnte, wenn mein Sohn beim Klettern auf dem Bett abrutscht und ich deshalb bemüht bin, möglichst alle spitzen Gegenstände aus dem potentiellen Fallradius zu räumen. …
Als Ingenieur, wenn ich mir überlege welche Gefahren von den Gebäuden, die ich betreue, für ihre Nutzer und die Allgemeinheit resultieren können. …
Als Bürger, indem ich zur Wahl gehe und mich für meine Stadt engagiere (durch ehrenamtliches Engagement etc.) …
…
Wo liegen für mich die Herausforderungen und wie gehe ich damit um?
Mit der Globalisierung – im Sinne des Verschwindens räumlicher und zeitlicher Grenzen – wird nicht nur der menschliche Lebensraum zunehmend entgrenzt[4], sondern auch die Verantwortung.
Die philosophischen Erkenntnisse legen nahe, dass ich als Individuum – trotz gewisser Einschränkungen – auch globale Verantwortung trage.
„Wer sein Leben von anderen prägen lässt, bleibt trotzdem verantwortlich, obwohl er seine Freiheit bzw. Gestaltungskraft verschenkt.“ [(Schönherr-Mann 2010), S. 53]
Die Wahl der Handlungsgrundsätze bleibt jedem selbst überlassen. Das weltweite Eintreten für die Menschenrechte und Achtung der Menschenwürde können beispielsweise einfache Handlungsgrundsätze sein.
Ich orientiere mich ferner gerne an Stieglitz „global denken und lokal handeln“ [vgl. (Stiglitz 2006), S. 22] und Nida-Rümelin: „Zum Wohltun bin ich nicht verpflichtet, ich bin aber verpflichtet, niemanden zu schädigen.“ [(Nida-Rümelin 2011), S. 115] und versuche diese Orientierung auch meinem Sohn zu vermitteln.
[1] Nida-Rümelin, J. (2011). Verantwortung. Stuttgart, Reclam, S. 11
[2] Vgl. Nida-Rümelin, J. (2011). Verantwortung. Stuttgart, Reclam, S. 8 „Als Wesen … sind wir rational, frei und verantwortlich.“ Anmerkung: Die Verantwortungszuschreibung beruht folglich auf Annahmen – einem Mindestmaß an Entscheidungsfreiheit und Rationalität – die durch die genetische Anlagen, Erfahrung und Erziehung – im nicht eindeutig quantifizierbaren Maße beeinflusst werden. [Vgl. Myers, D. (2005). Psychologie. Heidelberg, Springer Medizin. S. 104 und Precht, R. D. (2008). Wer bin ich und wenn ja, wie viele? München, Goldmann. S. 323]
Ergänzend zu meinen beiden Blogbeiträgen über Werte im September 2022, möchte ich heute vertiefend auf globale Balance eingehen.
Balance ist mir persönlich ein wichtiger Wert – sowohl auf globaler Ebene, (Stichwort „Ressourcenverbrauch“) – wie auch auf individueller Ebene (Stichwort „Life-Balance“) der mehr Beachtung verdient.
Da ich Balance bereits in einem dieser Beiträge definiert habe, wiederhole ich dies an dieser Stelle nicht, sondern verweise auf den entsprechenden Wertebeispiel-Blog-Beitrag.
Zuerst möchte ich Euch heute berichten, wo ich Balance zum ersten Mal erlebt und gespürt habe, dann gehe ich auf ihre Bedeutung ein und schließe diesen Blog-Beitrag mit Gedanken zur persönlichen Umsetzung und Vermittlung an den Nachwuchs. Der Fokus in diesem Beitrag liegt dabei auf der globalen Perspektive. Los geht’s😉
1. Wo habe ich Balance zum ersten Mal persönlich erlebt/gespürt?
In meiner Kindheit und Jugend bei den Pfadfindern.
Pfadfinder bedeutet alles außer Alltag: Hier wird gesungen, gespielt, gebastelt, gekocht… eine Vielzahl an Aktivitäten und Themen, einfach ausprobiert und gemacht, jeder wie er kann.
Und dabei wachsen, als Gruppe, als Individuum, vor allem gegenseitig, weil man voneinander lernt.
Ich wusste damals nicht, was Balance bedeutet, es fühlte sich nur einfach gut & richtig – in meinen damaligen Worten „schön“ an.
Als Kind habe ich mich immer über den schwedischen König Carl Gustav, einem bekennenden Pfadfinder gewundert, warum er sich als Erwachsener mit den Pfadfindern – in meinen Worten Pfadis – identifiziert, ist doch etwas in meiner damaligen Gedankenwelt Exklusives für Kinder und wenn man erwachsen ist, hört man damit auf, weil dann andere dran sind…
Das Große ganze, die Tragweite – zusammengefasst im Pfadfinderversprechen, u.a.
Festhalten an geistlichen Grundsätzen (bei mir an christlichen Grundsätzen, also der Ehre ggü. Gott, da ich beim Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, kurz VCP, Mitglied war);
Ehre ggü. seinen Mitmenschen: Ehrfurcht vor der Würde des Menschen, Eintreten für Frieden, Schutz der Umwelt etc.
Ehre ggü. sich selbst: Verantwortlich für meine eigene Weiterentwicklung, Entfaltung meiner Persönlichkeit etc.
war mir damals nicht bewusst, ich spürte nur, dass es sich gut anfühlte und Spaß machte.
2. Wo liegen unsere Herausforderungen?
Diese intakte, weil spürbar stimmige Welt aus erfahrbaren und gelebten Werten vermisse ich im Alltag. Einerseits nicht verwunderlich, könnte man argumentieren, da in unserer pluralistisch, freiheitlichen Gesellschaft Wertepluarlität/-neutralität herrschen soll. (Wobei die mir bei den Pfadfindern vermittelten Werte, wie Ehrfurcht vor der Würde des Menschen, deckungsgleich zu den Menschenrechten und -pflichten sind, die ja die Grundlage unserer globalen Gemeinschaft bilden sollen.)
Andererseits fällt mir an vielen Stellen die Diskrepanz aus kommunizierten und gelebten Werten auf.
In der Politik (nicht mal das europäische Parlament scheint aktuell immun ggü. Korruption zu sein),
in zahlreichen Organisationen und Unternehmen (in denen Mitarbeiter-, Unternehmens- und Eigentümerorientierung entgegen anderslautenden Pressemitteilungen nicht ausbalanciert sind), aber auch
im Privaten (in denen Gleichberechtigung in der Beziehung entgegen gegenseitigen Versprechungen nur Lippenbekenntnisse sind).
Die Welt im Jahr 2023 ist nicht in Balance.
Wir leben in einer Welt in dem Vermögen sehr ungleich verteilt ist (das reichste Prozent der Bevölkerung besitzt fast die Hälfte des Vermögens[i]), in der sehr viel Gewalt herrscht,[ii] und die Natur sehr stark verschmutzt und ausgebeutet ist[iii] und nur eine Minderheit der Menschheit lebt in Sicherheit vor physischer und psychischer Gewalt, in einer intakten Natur und finanziell gesicherter Existenz.
3. An einer Welt in Balance mitbauen!
Nur weil ich mit 46 Jahren aller Wahrscheinlichkeit nach schon die Hälfte meines Lebens gelebt habe und nicht alles in Punkto nachhaltigem Leben richtig mache, habe ich den Glauben an eine bessere Welt – für mich eine Welt in Gerechtigkeit und Balance – nicht verloren.
Das Pfadfinderversprechen mag an mein Gewissen appellieren, aber die gelernten Methoden sind es, die mir helfen – und uns helfen können – an einer Welt in Gerechtigkeit und Balance mitzubauen. Denn wir haben weniger ein Erkenntnis- als ein Umsetzungsproblem.
Sinnvolle Methoden, die uns helfen – und die ich meinem Sohn vermitteln möchte – sind beispielsweise
Learning by doing: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, etwas Neues lernt man am besten, indem man es ausprobiert! Ich möchte meinem Sohn die Lust am Lebenslangen Lernen vermitteln und seine Neugierde fördern, ihm dabei die Angst vor Perfektionismus nehmen… und mache mich selbst auf den Weg nachhaltiger zu leben, bin mir bewusst, dass es ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess ist („Wenn viele kleine Leute an vielen kleinen Orten viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern.“[iv])
Look at the boy – Berücksichtigung von Alter und Können, um Unter-/Überforderung zu vermeiden sich nicht stressen lassen, das führe ich mir immer wieder vor Augen, wenn ich meinem Sohn etwas erkläre/zeige/gebe.
Naturverbundenes Leben – Auf Fahrt und Lager wird durch Einfachheit und Sparsamkeit ein bewusster Verzicht auf Komfort und Annehmlichkeit geübt in Anlehnung an „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht genug für jedermanns Gier“ Mahatma Gandhi. Das meinem Sohn zu vermitteln und vorzuleben ist alles andere als einfach, zumal wir in der Stadt wohnen. Am einfachsten war es mit ihm mal zwei Tage ein Pfadfinderlager zu besuchen, ohne warme Dusche und mit den Gegenständen, die in den Rucksack gepasst haben
Ich selbst orientiere mich an den 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (die sogenannten SDGs), da deren Erreichung zu meiner Idealvorstellung einer Welt in Gerechtigkeit (für mich gleichzusetzen mit der universellen Beachtung der Menschenrechte/-plichten) und Balance beiträgt.
Denn ich bin fest davon überzeugt, dass wenn sich jeder auf drei SDGs konzentriert (entsprechend der individuellen Stärken), es uns in dieser Dekade gelingen kann, einen wesentlichen Beitrag zu einer Welt in „Gerechtigkeit und Balance“ zu leisten und noch das 1,5Grad Ziel zu erreichen.
Im nächsten Blog-Beitrag möchte ich auf den Begriff „Verantwortung“ eingehen, lasst Euch überraschen.
[iii] Siehe beispielsweise Tagesschau Bericht zum aktuellen UN-Report: https://www.tagesschau.de/ausland/unicef-ressourcen-verbrauch-101.html#:~:text=In%20Deutschland%20ist%20der%20Ressourcenverbrauch,eine%20gesunde%20Umgebung%20zu%20bieten.
Gelingendes Leben, ist für mich ein Leben, in dem ich mich wertvoll fühle – und sich jeder andere wertvoll fühlen kann.
Viele Situationen ermöglichen dies. Der ukrainische Soldat empfindet dieses Gefühl bei der Landesverteidigung genauso, wie der deutsche Chirurg, der aus der Ukraine ausgeflogene schwer verletzte Soldaten bei der Versorgung ihrer Wunden hilft. Oftmals können wir uns die Situationen nicht aussuchen, für die meisten Ukrainer war der Krieg unendlich weit weg und die jungen Männer – darunter viele Väter – hatten ganz andere Tätigkeiten, in denen sie sich wertvoll fühlen konnten.
Ich bin dankbar, mich außerhalb solcher Extremsituationen wertvoll fühlen zu dürfen. Meine Herausforderung besteht eher darin, die persönliche Balancezwischen und innerhalb der einzelnen Rollen (als Berufstätiger, als Vater, als Bürger…) zu finden.
Was sind für mich wichtige Erkenntnisse
Gute Orientierung bietet mir dabei die „Theorie des Wohlbefindens“ von Martin Seligman, dem Begründer der positiven Psychologie. Ziel eines gelingenden Lebens ist demnach zunehmendes Aufblühen durch die Verstärkung von positiven Gefühlen, Engagement, Sinn, positiven Beziehungen und Wirksamkeit. Denn diese fünf Elemente sind für das individuelle Wohlbefinden maßgeblich.
Wie wichtig Freunde für das persönliche Wohlempfinden sind, erlebe ich eindrucksvoll durch die Antworten meines Sohns: Unvergesslich seine Worte 2021 als Vierjähriger auf unsere Frage, welcher Urlaub ihm im letzten Jahr am besten gefallen hat „Die Schiffsreise, denn da hatte ich einen Freund.“ Wer einen eindrucksvollen Beleg für die Bedeutung positiver Beziehungen/Freundschaften sucht, dem empfehle ich den Ted Talk von Robert Waldinger über seine Forschungsergebnisse.
Denkanstöße für Kinder
Ich liebe die Pinguin-Geschichte von Dr. Eckart von Hirschhausen, da sie anschaulich auf die Stärkenorientierung und die Bedeutung des Umfelds eingeht: https://www.youtube.com/watch?v=4FtuyMpfsnA Deshalb habe ich meinem Sohn einen kleinen Pinguin gekauft, um ihm selbst die Geschichte erzählen zu können;-)
Ich hoffe ich konnte Dir in wenigen Zeilen vermitteln „Was ist gelingendes Leben?“ Hast Du passende Denkanstöße für Kinder oder interessante Erkenntnisse, dann schreibe mir einfach unter andreas@fabelosophie.de oder auf https://www.instagram.com/fabelosophie/
„Was ist gutes Leben?“ ist sicher eine der am häufigsten gestellten Fragen.
Was sind für mich wichtige Erkenntnisse?
Für Aristoteles besteht das gute Leben in der Wahl einer geeigneten Lebensform, in der Entwicklung von Tugenden, die das beste Verhalten in bestimmten Situationstypen ermöglichen und in den Tugenden entsprechenden konkreten Handlungen[1].
Aristoteles unterscheidet dabei vier Formen des Lebensvollzugs:
1. Das hedonistische (=lustbestimmte) Leben,
2. das profitorientierte Leben,
3. das politisch-praktische Leben und
4. das theoretische oder philosophische Leben.
Wobei für ihn nur 3 und 4 ein gutes Leben möglich machen und zu einem glücklichen Leben führen, da für ihn Glück im guten Leben besteht.
Seine Lehre steht im Einklang mit den Erkenntnissen der positiven Psychologie[2], dass ein tugendhaftes Leben nach den persönlichen Stärken zu Wohlbefinden führt.
Was bedeutet das für mich?
Meiner Vision „Eine Welt in Gerechtigkeit und Balance“ folgend, sehe ich meine Hauptaufgabe („Mission“) darin, dazu beizutragen, ein Umfeld zum Wohlfühlen zu ermöglichen, Gemeinwohl zu fördern und die Schöpfung zu bewahren.
Gutes Leben bedeutet für mich demnach das aktive „mit bauen“ an einer Welt in Gerechtigkeit und Balance, damit sie kein Traum bleibt. Es ist vor allem eine Daueraufgabe, ein kontinuierlicher Prozess. Mir gefällt in diesem Zusammenhang besonders die Zeilen von Erich Kästner „Es gibt nichts Gutes außer: Man tut es.“
Denkanstöße für Kinder
Deshalb versuche ich meinem Sohn bereits in seinen jungen Jahren auf seine Talente aufmerksam zu machen, damit er sie zu Stärken entwickeln kann. Und ich erkläre ihm die einzelnen Berufe, welchen Beitrag sie in einer arbeitsteiligen Welt am Gemeinwohl leisten.
Ich werde im nächsten Blogbeitrag noch detaillierter auf die Erkenntnisse der positiven Psychologie und auf mögliche Umsetzungsstrategien eingehen.
[1] Danke an Frau Prof. Dr. Verena Mayer, die mir dies i.R. meines PPW-Studiums an der LMU in der Vorlesung „Einführung in die Ethik“ vermittelt hat.
[2] Authentic-Happiness-Theory und die darauf basierende Weiterentwicklung zur „Well-Being-Theory“ von Martin Seligmann, dem Begründer der positiven Psychologie.
Wir Menschen sind Sinnsucher – zumindest sehr viele von uns. Wir möchten uns unser Dasein erklären können. Wir möchten einen Sinn im Leiden, wie auch im Schönen sehen. Wir möchten Teil von etwas „Größerem“ sein.
Was sind für mich wichtige Erkenntnisse?
Bei der Sinnsuche geht es um das „Große und Ganze“, um das übergeordnete Ziel (Vision) und/oder die übergeordnete Aufgabe (Mission).
Auf den Punkt gebracht sehen einige Denker den Sinn des Lebens schlicht im „Leben“ bzw. im „guten Leben“. Das wäre dann die übergeordnete Aufgabe/Mission, während das übergeordnete Ziel/Vision beispielsweise für mich eine Welt in Gerechtigkeit und Balance ist, die es zu ermöglichen gilt.
Beides (Zielbild und Aufgabe) ist abhängig von den Wertvorstellungen (siehe Blogbeiträge zu den Werten). Dies erklärt, warum es dabei zu individuellen und kulturellen Unterschieden kommt. Die Sinnhaftigkeit des Ziels, lässt sich in meinen Augen – in Anlehnung an den kategorischen Imperativ von Emanuel Kant – ganz gut über die Verallgemeinerbarkeit prüfen. „Wenn alle Menschen diesem Ziel folgen würden, träge es zum kollektiven Wohlbefinden bei?“
Interessant finde ich, dass depressive Jugendliche, die die Aufgabe bekommen sich in einem Tierheim um vernachlässigte Hunde zu kümmern dadurch wieder mehr Lebensfreude erfahren (gilt für die Vierbeiner sicher genauso). Sie empfinden somit Sinn, für andere da zu sein.
Was bedeutet das für mich?
Sinnerfülltes Leben ist spürbar. Menschen, die für sich den „Sinn des Lebens“ oder weniger hochtrabend formuliert „Sinn im Leben“ gefunden haben, bezeichnen es als Resonanzgefühl: Egal in welchem Teilbereich sie arbeiten, sie „spüren“, dass sie am „Großen und Ganzen“ arbeiten.
Mein Sohn stellt mir aktuell noch keine Sinn-Fragen, daher enthält dieser Blog-Beitrag noch keine persönlichen Vermittlungsbeispiele.
Für ihn macht spielen Sinn und das ist auch gut so. Der Hirnforscher Gerald Hüther hat mit dem Philosophen Christoph Quarch 2017 ein wunderbares Buch „Rettet das Spiel!“ geschrieben, in denen sie neurobiologisch und philosophisch erklären, wie Spielen unser Leben bereichert, nicht nur für unsere Entwicklung, sondern auch für unsere Entspannung;-)
Sinn im Leben zu sehen, ist sicher auch abhängig von der persönlichen Einstellung. Meditieren, autogenes Training etc. können dabei helfen, den Blick auf für das Wesentliche zu finden. Dies sind wertvolle Methoden die ich auch schon spielerisch meinem Sohn vermitteln kann, wenn ich ihm beispielsweise vor dem Schlafen ganz bewusst seinen Herzschlag und seine Atmung spüren lasse und ihm dabei positive Glaubensgrundsätze aufsage oder mit ihm bete. So dass er sich in der Welt angenommen und geliebt fühlt.
Im nächsten Blogbeitrag werde ich den Aufgabenaspekt das „gute Leben“ aus zwei Perspektiven betrachten, einer philosophischen und einer psychologischen.